s
HOME SEMINARE TERMINE LITERATUR BIOGRAPHIE GEDICHTE MUSIK&FOTOS

a   ACHT WUNDERMERIDIANE
a   DAS HEILENDE TAO
a   TAO TRAINING
a   DAS TAO DER AKUPRESSUR UND AKUPUNKTUR
a   DAS WIRKUNGSSPEKTRUM DER AKUPUNKTURPUNKTE
a   TAFELN DER TRADITIONELLEN CHINESISCHEN MEDIZIN



DAS WIRKUNGSSPEKTRUM DER AKUPUNKTURPUNKTE

1989 begann ich, das Wirkungsspektrum der 361 klassischen Akupunkturpunkte systematisch zu erforschen. Ich stellte Testgruppen zusammen, die sich über mehrere Jahre hinweg wöchentlich trafen, und schrieb die Feedbacks der Punktewirkungen auf meinen Seminaren über Shiatsu und Meridianmassage nieder. Auf diese Weise sammelte ich bis zum heutigen Tage viele Tausende Feedbacks von Probanden, in denen diese berichten, welche körperlichen, emotionalen, energetischen und mentalen Wahrnehmungen und Empfindungen sie haben, während eine zweite Person mit der Tui Na -Technik Yi Zhi Chan Tui Fa (Ein-Finger-Meditation, die normalerweise 3 Minuten lang dauert) einen Punkt hält. Diese Technik dauert bei meinen Testverfahren zwischen 3 und 10 Minuten, je nach Situation.
Ueber 90% der Feedbacks stammen von Personen, die kein oder nur ein geringes Wissen über die Punkte und ihre Wirkungen haben. Auf diese Weise sind ihre Wahrnehmungen nicht durch Vorwissen präformiert. Zudem gab ich vor dem Testen den Namen des Punktes nicht an, sondern nur die Lokalisation.

Im Durchschnitt habe ich von jedem Punkt von 15 - 80 Probanden eine Angabe über die Körperempfindungen als auch das innerpsychische Geschehen während dem Halten oder Drücken des Punktes. Bei der Durchsicht der Feedbacks wählte ich jene aus, die statistisch Ähnliches berichteten, in den körperlichen und psychischen Wahrnehmungen um gleiche oder ähnliche Themen kreisten und so einen roten Faden der Punktewirkung darstellten. Das auf diese Weise entstandene Grundmuster des Wirkungsspektrums eines jeden der 361 klassischen Punkte wurde von mir in meinen Büchern DAS TAO DER AKUPRESSUR UND  AKUPUNKTUR, dessen 4. überarbeitete Auflage 2009 im Haug Verlag veröffentlicht wurde, und DIE ACHT WUNDERMERIDIANE beschrieben, das im Frühjahr 2006 im Dáo Verlag in Wien erschien.

Die in diesen Werken vor allem bei den "Indikationen für Massage" wiedergegebenen
Punktewirkungen ermöglichen es, die Auswahl der zu nadelnden Punkte je nach psychischer Konstitution und gewünschter Elementewirkung zu treffen. So gibt es insgesamt 30 - 40 Punkte, die eine entstopfende Wirkung bei Konstipation haben. Mit Hilfe der in diesen Büchern dargestellten psychischen Wirkungsweise der Punkte kann man bei der Behandlung individuell auf die Bedürfnisse der Gesamtpersönlichkeit eingehen und unerwünschte Nebenwirkungen im emotionalen oder mentalen Bereich vermeiden. Um ein Beispiel zu geben: wenn man jemandem, der eine stark vom Element Metall geprägte Persönlichkeit hat, wegen einer Hauterkrankung die in der Literatur gängigen Punkte des Lungen- und Dickdarmmeridians wiederholt sticht, mag die Hauterkrankung besser werden, es besteht aber eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Persönlichkeit desjenigen noch mehr vom Metall dominiert wird als bisher – und das bedeutet noch mehr Ungleichgewicht mit Wasser, Holz und Feuer, welches wieder neue Beschwerden nach sich ziehen wird. Diese Veränderungen der Gesamtpersönlichkeit sind anfangs oft subtil, vollziehen sich über einen längeren Zeitraum und erfordern diagnostisches Fingerspitzengefühl und Überblick, um sie erfragen und erkennen zu können.
 
Aus meiner Forschungsarbeit wird ersichtlich, dass jeder Punkt ein genau definierter Zugang zu Energiesystem, Geist und Psyche des Menschen ist. Die von mir gesammelten Punkteindikationen bieten eine neue Art von Information, die es ermöglicht, feinfühliger und umfassender auf die Persönlichkeit des Patienten oder Klienten  einzugehen und so dem intuitiven Charakter der traditionellen chinesischen Medizin gerecht zu werden.

Im folgenden nun zwei Analysen der von mir beschriebenen Punktewirkungen. Die Feedbacks der Probanden sind unter Anführungszeichen gesetzt.

>> G 41           Zú-Línqì / Am Fuß – dem Weinen nahe

Funktion: Shu-Punkt, Holzpunkt des Holzes (Stundenpunkt).
Meisterpunkt des Dài Mài.
Gekoppelter Meisterpunkt des Yáng Wéi Mài.
Lage: In der Vertiefung zwischen der proximalen Gelenkverbindung des vierten und fünften Mittelfußknochens und der Sehne des M. extensor digiti minimi.
Massage: Um die Wirkung zu verstärken, kann der Klient die Zehen spreizen, beugen und strecken.
Als erster Punkt des Yáng Wéi Mài bewirkt  Línqì ein Aufwärtsfließen des  Qì. Als  Holzpunkt des Holzes gibt er einen Impuls zum Neubeginn. Línqì versorgt Auge und Ohr mit Qì, schärft den Hör- und Sehsinn und regt das Innere Sehen und die Fähigkeit zu visualisieren an.

„Línqì entspannt das Zwerchfell.“
„Ich spüre Hitzewallungen im Körper, von unten nach oben.“

Die Bedeutung: G 41 wirkt auf Gallenblase und Leber und allgemein auf den Oberbauch.
Therapeutische Indikation: G 41 verbessert den Qì Fluss in den Oberbauchorganen und entspannt dadurch auch das Zwerchfell, das bei vielen Menschen verkrampft ist und dadurch eine wesentliche energetische Blockade im Körper darstellt – eine energetische Trennung des Ober- und Unterkörpers, eine energetische Trennung zwischen dem Oberen und den Unteren Zwei Erwärmern.

„Die Energie fließt nach oben. Ich fühle mich nach oben wachsen wie ein Laubbaum; meine Beine sind holzig wie ein Baumstamm, die Baumkrone beginnt ab dem Brustbein.“



Achim Eckert



Die Bedeutung: Zú-Línqì ist der Holzpunkt des Holzes. Holz ist nicht bloss eine Metapher. Wenn der ursprüngliche Bezug zu den Elementen nicht verschüttet ist, kann man bei allen Holzpunkten, auch bei denen auf anderen Meridianen, die Wahrnehmung –  das Gefühl und das Bild – haben, ein Baum zu sein. Zu-Linqi weckt die Kraft des Holzes: man fühlt sich fest in der Erde verwurzelt, stark wie ein Baum und in den Zweigen und Blättern dennoch biegsam, um Wind und Regen nachzugeben.
Therapeutische Indikation: Man drückt oder nadelt diesen Punkt, wenn man bei jemandem, der wenig Wurzeln hat, wenig Standfestigkeit, wenig Durchsetzungsvermögen, diese Qualitäten anregen oder stärken möchte.

„Ich sehe viele Blitze vor den Augen und spüre die Verläufe des Dünndarm-, Sanjiao- und Gallenblasenmeridians.“

Die Bedeutung: wenn ein Punkt gedrückt oder genadelt wird, wird der Qì Fluss vor allem im zugehörigen Meridian angeregt,  in zweiter Linie wird das Qì aus dem vorhergehenden Meridian (in diesem Falle dem Sanjiao-Meridian) in den Meridian des Punktes gezogen; weiters spüren meridiansensitive Menschen öfters die durch Aktivierung eines Punktes erfolgende Anregung des Qì Flusses im nachfolgenden Meridian (das ist hier der Meridian der Leber). Da durch G 41 das Holzelement stark angeregt wird, hat das auch eine allgemein stärkende Wirkung auf das Feuerelement nach dem Gesetz des Sheng-Zyklus. Insofern nimmt der Proband auch Qì Fluss im Dünndarmmeridian, dem anderen Yáng Meridian des Feuers, wahr.
Therapeutische Indikation: über G 41 kann man sowohl das Holz wie das Feuer stärken – weitaus deutlicher als mit den meisten anderen Punkten des Gallenblasen- oder Lebermeridians.

„Ich sehe viele Blitze vor den Augen und spüre die Verläufe des Dünndarm-, Sanjiao- und Gallenblasenmeridians. Dann blitzartig hervorschiessender Zorn.“

Die Bedeutung: Blitze vor den Augen sind eine charakteristische Wahrnehmung für eine Fülle an Qì sowohl im Gallenblasen- als auch im Lebermeridian. Eine Fülle an Qì im Holzelement kann sich im Zorn ausdrücken, eine starke Fülle in blitzartig hervorschiessendem Zorn.
Therapeutische Indikation: über G 41 kann man bei aggressionsgehemmten und furchtsamen Menschen die Fähigkeit, sich zu wehren und sich zu verteidigen, stärken. G 41 stärkt das Selbstdurchsetzungsvermögen.
Nebenwirkung, Risiko und Kontraindikation: G 41 kann bei cholerischen Persönlichkeiten zu Wutausbrüchen führen.

„Ich habe verschiedene Gedankenblitze. Bevor ich sie fassen kann, bin ich in einem tranceähnlichen Zustand.“

Die Bedeutung: Gedankenblitze sind meist Hinweis auf einen Qì Fluss im Sanjiao- und Gallenblasenmeridian.
Wenn das Qì dann in die Leber gelangt, ist man im Wachtraum, in der Trance, im Reich der Träume und psychedelischen Wahrnehmungen, denn die Leber ist das Haus der Bilder. (siehe Achim Eckert, DAS HEILENDE TAO, Kapitel Holz, Müller & Steinicke Verlag, München 2011).
Therapeutische Indikation: einen Menschen dabei zu unterstützen, seine Wahrnehmung nach innen zu wenden, seine innere Gedanken-/Welt deutlicher wahrzunehmen.

„Die Energie geht direkt in den Kopf hoch. Ich fühle ein Pulsieren im Dritten Auge. Dann sehe und höre ich, wie ein Alphorn einen Ton durch die Täler erklingen lässt.“
„Meine Hörempfindung wird feiner.“
„Ich sehe einen grossen Vogel, der seine Flügel aufspannt, im Hintergrund die Abendsonne.“
„Ich sehe ein kugelförmiges Licht im Kopf.“

Die Bedeutung: G 41 regt den Fluss des Qì im Lebermeridian an, das Qì fließt zum Kopf. Die Hypophyse oder das Dritte Auge ist die zentrale Schaltstelle des Qì im Kopfbereich; wenn es über die Yáng Meridiane der Arme oder die Yin Meridiane der Beine zum Kopf fließt,  gelangt es meist zuerst zur Hypophyse und dann erst weiter zu Baihuì.
Der Gallenblasenmeridian beginnt am Auge und Ohr – nach dem Gesetz der polaren Wirkung (bei den Yáng Meridianen der Beine und den Yin Meridianen der Arme wirken Punkte am Ende eines Meridians auf Organe und Gewebe im Anfangsteil des gleichen Meridians; bei den Yin Meridianen der Beine und den Yáng Meridianen der Arme wirken Punkte des Anfangsteils auf Organe und Gewebe des Meridianendes) verbessert G 41 den Qì Fluss in Auge und Ohr.
 Der Wahrnehmung des Alphornklanges, der durch die Täler erklingt, liegt eine Position des Wahrnehmenden in grosser Höhe, in der reinen Luft der Berge zugrunde; sie ist charakteristisch für eine Aktivierung des Dritten Auges und vor allem von Baihuì.
Therapeutische Indikation: G 41 ist ein wichtiger Fernpunkt für Erkrankungen von Auge und Ohr wie Sehschwäche, Bindehautentzündung, verschwommenes Sehen, Ohrensausen und Schwerhörigkeit.

 „Ich sehe ein Licht vor den Augen und in der Stirn. In den Schultern ein Zucken. Es formt sich ein archaisches Bild – ein wilder Reiter in der Steppe. Ich höre einen Ton von Glocken oder Klangschalen.“

Die Bedeutung: der wilde Reiter in der Steppe ist ein Urbild des Holzelements – Wildheit und Ungestüm.
G 41 ist als Holzpunkt des Holz Yáng jener Punkt, der die expansive, stürmische Kraft des Holzes von allen Punkten des Gallenblasen- und Lebermeridians am meisten anregt.
Therapeutische Indikation: über G 41 kann man bei aggressionsgehemmten und furchtsamen Menschen die Fähigkeit, sich zu wehren und sich zu verteidigen, stärken. G 41 stärkt das Selbstdurchsetzungsvermögen.

„Das Bild einer weissen Orchidee von oben mit einem Tropfen Tau auf dem Blütenkelch.“
Die Bedeutung: Die Leber ist das Haus der Traum-/Bilder.
Therapeutische Indikation: einen Menschen dabei zu unterstützen, seine Wahrnehmung nach innen zu wenden und seine inneren Traum-/Bilder zu sehen.

„Die Energie steigt in den Kopf. Mir wird leicht schwindlig. Ich fühle  zunehmende Darmperistaltik. Ich sehe arabische Schriftzeichen. Dann bin ich in einer stockfinsteren Höhle; eine Fackel wird angezündet, es bleibt aber finster.“
„Ich fühle meinen Bauch. Dann spüre ich einen kräftigen Energiefluss hinter dem Nacken vom Trapezius nach oben zum hinteren Schädelrand. Es ist wie ein Vorhang aus Energie über G 20.“

Die Bedeutung: über den Lebermeridian steigt das Qì in den Kopf, gelangt  aber zuerst auch in den Bauch. Viele Punkte des Gallenblasenmeridians – die Gallenblase regiert die Muskulatur -  regen die Darmperistaltik an, ebenso wie einige Punkte des Lebermeridians. Die stockfinstere Höhle ist die Innenwahrnehmung des Bauches, das Qì, das dorthin fließt, wird als Fackel, die angezündet wird, wahrgenommen. Es ist aber nicht genug Qì da, um den Bauchraum zu erhellen und ein dauerhaftes Licht zu machen.
Therapeutische Indikation: über G 41 kann man die Darmperistaltik und den Qì Fluss im Bauchraum anregen.

„Ich sehe ein schwarzes Mondgesicht von vorne – es hätte eine Holzskulptur sein können. Das Gesicht dreht sich zur Seite. Ich sehe das Profil – es ist ein abnehmender Mond. Der Mond beginnnt um ein imaginäres Zentrum zu rotieren, sodass er wieder ausschaut wie eine Kugel. Ich sehe Schwärze, in die sich Blau mischt, daraus baut sich eine Welle auf, die immer grösser wird und oben überschwappt; Wasser fließt zu beiden Seiten von mir ab.“

Die Bedeutung: G 41 ist der Stundenpunkt, der Holzpunkt des Holzes. Diese Qualität, die es auf jedem der 12 Meridiane einmal gibt, entpricht dem Neumond. Beobachter des Mondkalenders wissen, dass der Neumond in jedem der 12 Sternzeichen einen Neubeginn der entsprechenden Qualitäten und des entsprechenden Elementes bedeutet. Wenn man eine überalterte Struktur niederreissen und ein fehlgeleitetes Wachstum korrigieren möchte, tut man dies am besten zu Neumond. Pflanzenliebhaber wissen, dass dies der beste Zeitpunkt ist, um eine krummgewachsene Pflanze zurückzustutzen, damit sie so gerade wie eben möglich nachwächst. G 41 entspricht dem Neumond im Widder – dem Neubeginn des Handelns und der Handlungsfähigkeit.
Therapeutische Indikation: über G 41 kann man einen Menschen dazu anregen, einen Neubeginn zu wagen.

„Ich habe das Bedürfnis, die Augen zu öffnen.“

Die Bedeutung: über den Lebermeridian steigt das Qì in den Kopf – man wird wach und geistig aktiv.
Therapeutische Indikation: durch Akupressur oder Akupunktur von G 41 kann man das Yáng eines Menschen stärken – er fühlt sich wach und bekommt den deutlich wahrnehmbaren Impuls, physisch und geistig aktiv zu werden.
Die Wirkung einer wiederholten Stimulierung des Gallenblasen- und Lebermeridianes (zu wiederholten Malen über ein Jahr verteilt, aber nicht regelmäßig) bei einem übergewichtigen, stark rauchenden Landarzt um die vierzig bestand darin, dass er den ganzen Jakobsweg von Österreich nach Santiago de Compostela ging; vor über fünzehn Jahren, als es noch nicht en vogue war. Ein wenig später ging er für längere Zeit nach China, um dort chinesische Medizin zu studieren, und „eroberte“ in der Folge ein weiteres Fachgebiet, die Homöopathie.

„Als der Punkt langsam losgelassen wird,  erinnere ich mich an eine Geschichte aus meiner Kindheit, die auf einer Sprechplatte erzählt wurde. Da war ich etwa sechs. Es ist die Geschichte von Kannitverstan: „Wie ein armer deutscher Handwerksbursche zur Weisheit kam“. Der Handwerksbursche kommt nach Rotterdam und ist beeindruckt von den prächtigen Handelshäusern. Reiche Leute müssen da wohnen, sagt er zu sich, und bedauert seine eigene Armut. Vor einem besonders prächtigen Haus bleibt er stehen. Als jemand vorbeikommt, fasst er sich ein Herz und fragt: Verzeihen Sie, wem gehört dieses prächtige Haus ? Der Holländer blickt ihn erstaunt an und antwortet: Kannitverstan ! Ein wenig später wandert der Handwerksbursche im Hafen umher und bewundert die vielen Schiffe und das rege Entladen der Waren aus aller Herren Länder. An einem der größten Kais sieht er einen reich verzierten Dreimaster mit fein geschwungenen Linien. Bewundernd wendet er sich an einen Zahlmeister, der das Entladen der Waren mit einer Liste kontrolliert: Entschuldigung, wem gehört dieses wunderbare Schiff ? Der Zahlmeister blickt kurz von seinen Papieren auf und murmelt mürrisch: Kannitverstan ! Das muß ein sehr reicher Herr sein, denkt da der Handwerksbursche bei sich, schlendert weiter und bedauert von neuem seine Armut und Bedeutungslosigkeit. Da kommt ihm in einer großen Straße ein Trauerzug entgegen. Ein prächtiger Sarg aus purem Silber  wird auf einem schwarzen Wagen gefahren, der mit einer Fülle von weißen Blumen geschmückt ist und von sechs Rappen gezogen wird. Dahinter geht eine lange schweigende Menge, einige weinen. Wieder wendet sich der Bursche an einen Umstehenden, wer denn der reiche Mann sei, der da beerdigt würde. Und wieder bekommt er die Antwort: Kannitverstan ! Da sagt er zu sich: Was nützt dem mächtigen Mann all sein Einfluß und sein Reichtum, all seine prächtigen Häuser und Schiffe, wenn er jetzt in die Grube gefahren wird ? Da geht es mir doch tausendmal  besser, wo ich gesund, jung  und munter bin und mir noch viele Tage die Sonne und die Liebe scheinen wird. Und leichten Herzens wanderte er weiter und fand noch am gleichen Tage Arbeit in einer Küferei, in der der Geselle verstorben war. Er verliebte sich in die Tochter des Meisters, heiratete sie, wurde nach dessen Tod selbst Küfermeister und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.“

Die Bedeutung: diese Geschichte illustriert das Wesen dieses Holzpunktes – wie jemand, der unsicher, arm und ohne Freunde dasteht, zu einem Gefühl des eigenen Wertes gelangt und dadurch seinem bis dahin ungewissen Schicksal eine dauerhaft glückliche Wendung gibt.
Therapeutische Indikation: über G 41 kann man einen Menschen dazu anregen, seinen Selbstwert zu finden, einen Neubeginn zu wagen und dadurch seinem Schicksal eine glückliche Wendung zu geben.

Línqì hilft  bei Kopfschmerzen, schmerzenden Augen und Ohren, Seh- und Hörschwäche, Unterbauch- und Regelbeschwerden.
Nadelung: 5-12 mm senkrecht.
Wichtiger Fernpunkt für Erkrankungen von Auge und Ohr wie Sehschwäche, Bindehautentzündung, verschwommenes Sehen, Ohrensausen und Schwerhörigkeit.
Lymphknotenschwellungen der Achselgegend, Schmerzen in den Brüsten, Brustdrüsenentzündung, Dysmenorrhö, Amenorrhö.
Wichtiger Punkt bei Gelenkleiden und Rheumatismus, am besten in Kombination mit Wàiguan (SJ 5).

Zu den therapeutischen Indikationen: welche Wirkung im körperlichen wie psychischen Bereich  zu erwarten ist, hängt von dem Gesamtzusammenhang der Behandlung ab – von der Kombination von G 41 mit anderen Punkten und Techniken manueller, nadelnder oder moxibustierender Behandlung, von der Persönlichkeit und dem momentanen Energiezustand des Klienten, und von der Intention des Behandlers. Der Energiezustand und die Intention des Behandlers sind ein wichtiger Faktor in der traditionellen chinesischen Medizin wie auch in anderen ursprünglichen Formen des Heilens. Man nimmt Akupunktur und Akupressur viel ihrer Wirkmöglichkeit, wenn man dies außer acht läßt. Für Ärzte mit allopathischer Prägung, die sich der traditionellen chinesischen Medizin zuwenden, ist es wichtig, die westlich-wissenschaftliche Denkweise zu relativieren, dass Akupunktur oder Akupressur eine rein objektivierbare Wirkung haben, die unabhängig von dem persönlichen Energiefeld des Behandlers ist. Wir wissen aus der Quantenphysik, dass Messergebnisse durch die Erwartungen der Beobachter beeinflusst werden - die sich ja nicht einmal im Versuchsraum befinden.
In der traditionellen chinesischen Weltanschauung gibt es nicht die abendländische Spaltung zwischen Subjekt und Objekt; diese ist eine aus der griechischen Philosphie entstandene und heute bei uns übliche Wahrnehmungsform der Welt, die auch unsere Auffassung von Medizin und Psychotherapie prägt – die aber nicht Paradigma aller anderen Kulturen und ihrer Medizinsysteme ist.


Achim Eckert


>> G 34           Yánglíngquán / Quelle am Yáng-Hügel

Funktion: Hé-Punkt, Erdpunkt.
Meisterpunkt der Muskeln und Sehnen.
Punkt des japanischen Verlaufes des Yáng Wéi Mài.
Lage: An der Vorderseite des Wadenbeins, in der Vertiefung im Winkel zwischen Wadenbeinköpfchen und Schaft.
Massage: Tief drücken. Um den Energiefluss in Gang zu bringen, kann der Klient die Zehen öfters strecken und die Außenkante des Fußes mehrmals heben.
Yánglíngquán kräftigt Muskeln und Sehnen und macht Lust sich zu bewegen. Oft erinnert man sich auch an Situationen, in denen man sich viel bewegt hat und der Körper gefordert war. Als einer der wichtigsten Punkte des Gallenblasenmeridians stärkt er die Lust und Kraft, sich und seine Anliegen durchzusetzen. Als Erdpunkt verbindet er die Qualitäten von Holz und Erde –  er gibt dem Drang, sich zu bewegen und sich durchzusetzen, Bedachtsamkeit, Ausdauer und Beständigkeit.

„Ruckartig lösen sich Verspannungen in Knie-, Fuß- und Hüftgelenk.“
„Die Oberschenkel und das Becken werden warm. Ich bekomme das Bedürfnis zu laufen.“

Die Bedeutung: G 34 bringt das Qì in Becken und Beinen in Fluss; die Po- und Beinmuskeln werden aktiviert, man bekommt Lust, sich zu bewegen.
Therapeutische Indikation: mit G 34 kann man die Po- und Beinmuskulatur aktivieren und die Laufleistung verbessern. Wenn jemand sich sportlich nicht betätigt, ist er einer der besten Punkte, um zu Bewegung zu animieren.  G 34 ist ein ausgezeichneter Punkt vor einem Fußballmatch oder Marathonlauf. Bei einer langen Tennispartie kann man ihn beim Seitenwechsel verwenden, um langsamer werdenden Beinen Durchhaltevermögen und Spritzigkeit zu geben.

„Ich fühle einen Energieschwall vom Punkt aufwärts – als ob mir wieder Leben eingehaucht würde. Ich spüre eine frische Kälte in den Wadenbeinmuskeln. Es reisst mir die Augen auf.“
„Eine rote Wärme steigt vom Kreuzbein am Rücken hoch, in einem dauernden Fließen bis in den Hinterkopf.“
„Ich fühle wohltuende Wärme im ganzen Körper – wohltuende Leere in der Kopfschale, da war nichts drin.“

Die Bedeutung: G 34 bringt das Qì im Gallenblasen- und darauffolgenden Lebermeridian in Fluss. Über den Lebermeridian und über den Yáng Wéi Mài steigt das Qì im Körper nach oben und macht ihn  warm. Als Erdpunkt eines vom Kopf wegführenden Meridians bringt er das Qì aus dem Kopf in den Körper und verringert dadurch Nervosität (zum Beispiel vor dem Wettkampf oder einer Prüfung) – ähnlich wie Zúsanli (Ma 36), Shénmén (H 7) oder Dàling (HH 7).
Therapeutische Indikation: G 34 gibt Vitalität und macht den Körper warm; er verringert exzessives Denken,  Stress und Nervosität.

 „ Vor meinen Augen ist eine braune  Wärme. Rote Tropfen lösen sich in dieser Wärme auf. Beides sind Flüssigkeiten. Dann war ich am Berg und machte eine Schneeschuhwanderung.“
„Ich sehe schneebedeckte Berggipfel, von der Sonne beschienen. Mit den Skiern fahre ich die Hänge hinunter.“

Die Bedeutung: G 34 ist ein Erdpunkt, daher das Bild der braunen Wärme. Über den Lebermeridian gelangt das Qì zu Baihuì. Wahrnehmungen von schneebedeckten Berggipfeln, von grosser Höhe, von der reinen Luft der Berge sind charakteristisch für eine Aktivierung des Dritten Auges und vor allem von Baihuì.

„Eine Bilderserie von Palolem,  einem Palmenstrand in Südgoa, wo ich vor circa sieben Jahren im Februar auf einer Indienreise war. Ich sehe den hohen Kokospalmenwald, die hohen glatten Stämme und den Sandboden mit dem trockenen, harten Gras. Zwischen den Palmen die vereinzelt liegenden Häuser. In vielen von ihnen werden Zimmer vermietet. Dann seh ich den Platz auf hoch aufgetürmten und unzugänglichen Klippen am Ende der Bucht, wo ich mit meiner Freundin damals oft die Nachmittage verbrachte. Dann sehe ich die Wanderung zum Om Beach, einem noch weiter im Süden gelegenen Strand. Wir waren viel zu Fuß unterwegs.
Dann Bilder von einem Kloster und im Shaolin Stil kämpfenden Mönchen. Am Eingang des Klosters wird die Mauer von einem grossen buddhistischen Emblem in Kreisform und erdigen Farben geschmückt.“

Die Bedeutung: die Bilder vom Palmenstrand sind Erinnerungen an eine Zeit, in der der Kopf Pause machte, das sinnliche Wahrnehmen im Vordergrund stand und der Wahrnehmende viel zu Fuß ging. Die Bilder vom Shaolin Kloster kombinieren die Elementequalitäten von G 34 - er ist der Erdpunkt des Holz Yáng. Einerseits stehen die Bilder für das Element Erde (das Kloster, die buddhistischen Mönche, die Mauer, die Kreisform, die erdigen Farben), andererseits haben sie Holzqualität (der Kampf).

„Ein Bild von einem schwarzbraunen wilden Pferd, auf dem ich reite. Ich denke an zu Hause, freu mich aufs Heimfahren und darauf es auszuprobieren, mich durchzusetzen.“



Achim Eckert



Die Bedeutung: das wilde schwarzbraune Pferd ist ein Symbol für die eigene Kraft (Element Holz), die vom Reiter gut kontrolliert werden kann (Element Erde). Die Farbe des Pferdes ein weiterer Hinweis auf das Erdelement.
Therapeutische Indikation: G 34 stärkt dieVitalität und die Durchsetzungsfähigkeit. Er kann physisch schwache, verunsicherte und furchtsame Menschen  stärken und ihnen Rückgrat geben.

„Meine Wirbelsäule hat sich königlich gestreckt. Ein roter Pfeil wird zu einem Vulkan, der ausbricht. Dann sehe ich ein Holzhaus, drüber Gewitterwolken, diese werden zu Elchen mit voll majestätischen Schaufeln. Sie stolzieren langsam und gravitätisch herum.“
„Ein Drehen im Kopf, daraus entsteht ein wässriges Band im Kopf . Das Band wurde grösser und zu einer schrägen Sportarena für Radrennfahrer aus Holz. Drinnen war ein Pferderennen. Ein leichtes Gefühl in den Beinen, der Kopf war schwer.“
„Ein Bild von einem grossen schnellen, starken und wendigen Fisch. Er bewegt sich geschmeidig und voller Energie durchs Wasser. Er ist circa drei bis vier Meter lang. Auf jeden Fall ist es  kein Hai. Das Tageslicht schimmert durch von oben.“

Die Bedeutung: jedes dieser Bild hat in individueller Art und Weise physische Kraft und Beweglichkeit zum Inhalt.

„Aus dem tiefen Wasser, in dem ich seit gestern war, komme ich langsam an die Oberfläche ans Licht. Ich freue mich auf zuhause. Plötzlich fällt mir mein Kontostand ein.“

Die Bedeutung: am Vortag war das Seminarthema der Yin Qiao Mài; dabei gelangt man oft in einen Gefühlszustand des Wasserelements – man denkt nicht viel und fühlt sich tief entspannt.
G 34 bringt als Erdpunkt des Holzes einen Menschen in die trockene Wirklichkeit zurück – er denkt wieder an Geld, Alltag, Kontostand.   
Therapeutische Indikation: G 34 stärkt den Realitätssinn. Er erdet einen Menschen, wenn er in Gefühlen versunken ist, und gibt ihm Impetus, sich den bevorstehenden Aufgaben des Erdelements zu stellen. Guter Punkt für Tagträumer, Computer- und Fernsehsüchtige und andere  Wirklichkeitsflüchtlinge.

„Ich sehe mich nackt gehen; von oben kommen Fäden, von unten, von der Seite, von jedem Element, Fäden, die an mir ziehen, mal der eine stärker, dann der andere. Ich roll mich in diesen Fäden ein, werde zu einer Kugel. Ich bin verwoben in diesen Fäden. Dann schneid ich  sie von innen mit einer kleinen Schere auf und schlüpfe raus.
Dann denke ich an Eichhörnchen –  eine Kindersendung fällt mir ein: „Buschel, buschel mit dem roten Schwanz!“ Ich sehe den Wald, in dem Buschel von Ast zu Ast sprang, er hat ein Glöckchen um den Hals. Buschel hat gehölzelt, wenn er sprach.....der Wald wird zum Wald von Alice im Wunderland. Dann sehe ich Bilder aus meiner Kindheit, als ich fünf Jahre alt war - ich im rotweiss gestreiften Anorak am Hang einer Skipiste.  G 34 macht mich fröhlich und erinnert mich an Zeiten, in denen alles noch in Ordnung war.“

Die Bedeutung: in den alten Diagrammen der Fünf Elemente wurde die Erde als Zentrum dargestellt und die anderen vier Elemente in den vier Himmelsrichtungen drumherum. Das erste Bild hat das Erdelement zum Thema - die Kugel und das Verwobensein in der Wirklichkeit durch viele Fäden, die einen an sie binden; es erinnert an die Metapher von Gulliver in Lilliput. Dem Probanden gelingt es, sich aus den Fäden des Alltags zu befreien - und flugs findet er sich in der Märchenwelt der Kindheit wieder. Märchen sind ein Aspekt des Elements Erde, Erinnerungen an eine Zeit, in der man sich geborgen fühlte in der Kindheit. Die Bilder haben zudem das Holzelement zum Thema – das von Ast zu Ast springende Eichhörnchen und die Skipiste.
Therapeutische Indikation: G 34, wie auch viele andere Punkte des Erdelements, können jemandem dabei helfen, einen Zugang zu Erinnerungen an die Kindheit zu finden.

„Meine Körpermitte wird aufgefüllt. Ich sehe ein Auge in Höhe Yintang (PaM 1), das mich anschaut. Das Auge ändert seine Gestalt, es wird zu allen möglichen Tier- und Menschenaugen, der Blick blieb immer freundlich.“

Die Bedeutung: über den Lebermeridian wird die Körpermitte mit Qi aufgefüllt und das Dritte Auge angeregt. Die Augen sind das Sinnesorgan des Holzes. Entsprechend der  Fröhlichkeit in der vorigen Wahrnehmng finden wir hier Freundlichkeit als weiteren Aspekt des Erdelements.
Therapeutische Indikation: G 34 bringt einen Menschen in eine freundlichere Grundstimmung, wenn er grießgrämig und mürrisch ist, gereizt und aufgebracht.

Yánglíngquán stärkt die Ausdauer – im physischen, im emotionalen und im mentalen Bereich. Er macht ruhig und bedächtig, gibt Entschlossenheit und Stärke. Er ist gut geeignet zur Vorbereitung auf einen sportlichen Wettkampf – oder auch mitten drinnen, zwischen zwei Spielen oder Durchgängen, um die Kräfte zu sammeln. Yánglíngquán hilft bei psychischer Labilität und Nervosität, bei einem aufgebrachten Verdauungssystem und bei Schmerzen im Kniegelenk.
Nadelung: 1-3 cm senkrecht.
Erkrankungen von Muskeln und Sehnen – Myopathien, Muskeldystrophien, Paresen, Hemiplegien und Sehnenscheidenentzündungen. Rheumatische und arthritische Beschwerden im Knie- und Hüftgelenk, Durchblutungs- und Sensibilitätsstörungen der Beine.
Erkrankungen der Gallenblase und Verdauungsstörungen wie Erbrechen, Durchfall, Darmkrämpfe, atonische Obstipation.
Yánglíngquán kräftigt die Muskulatur und erdet den Geist.

Zur derzeitigen Debatte in den deutschen Medien darüber, ob einzelne Akupunkturpunkte überhaupt voneinander  unterscheidbare spezifische Wirkungen haben, ist zu sagen, dass, wenn jemand eine “Egal-wohin-Akupunktur” für ausreichend erachtet, er offenbar noch nie ernsthaft versucht hat, die Wirkungen verschiedener Punkte, egal ob genadelt oder gedrückt, bei sich wahrzunehmen. Selbstbeobachtung ist der Ursprung jeder Wissenschaft, die sich mit dem Menschen befasst.


Achim Eckert                                                   Wien, März 2006



Kontakt & Anmeldung & Copyright
Dr. Achim Eckert | Josefstädterstraße 43/1/25 | A-1080 Wien
Tel: 0043/1/405 23 28 | e-mail: achim.eckert@gmx.net